15. April - 10. Juni 2007
"Buddha - Barlach. Fotografien von Kobin Yukawa"
„Es gibt wohl nichts Göttlicheres als Buddhastatuen in japanischen und indischen Tempeln.“ (Ernst Barlach, Brief an Wolf-Dieter Zimmermann, 12.2.1933).
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft S. E. Toshiyuki Takano, Botschafter von Japan in der Bundesrepublik Deutschland.
Die Ausstellung „Buddha – Barlach. Fotografien von Kobin Yukawa“ entstand als unmittelbares Nachfolgeprojekt der umfangreichen „Ernst Barlach Retrospektive“, die 2006 in Kyoto, Tokyo und Yamanashi zu sehen war.
Seit vielen Jahren liegt der Schwerpunkt in Kobin Yukawas künstlerischer Arbeit auf der Fotografie von sakralen Figuren in Tempeln der historischen Stadt Kamakura, in der er auch selbst lebt. Seine Aufnahmen sind durch viele Publikationen bekannt und in Japan berühmt geworden.
Kobin Yukawa, der als Kameramann geschulte Fotograf, inszeniert die heiligen Figuren und Götterdarstellungen. Er dramatisiert durch effektvolle, jedoch niemals reißerische Beleuchtung, kühne Anschnitte und ungewöhnliche Sichtpunkte. Einige Figuren erscheinen uns ungewohnt real, geradezu menschlich: Buddha wird zum weisen Gelehrten und die Wächtergottheit zum kämpfenden Samurai. Dies alles geschieht, ohne dass die heilige Ausstrahlung dieser Götterbilder beeinträchtigt wird, im Gegenteil: eine Aura des Sakralen, die sich zum Profanen hin abgrenzt, breitet sich aus.
Nun hat sich Kobin Yukawa mit Ernst Barlach auseinandergesetzt, einem Bildhauer mit starker Affinität zum Fernen Osten und zur westlichen spätmittelalterlichen Skulptur. Den Expressionisten Barlach, der lebenslang auf der Suche nach reinen Ausdrucksgestalten war, der „die Seele enthüllen“ wollte und „die äußere Darstellung eines inneren Vorganges“ anstrebte.
Barlach hat 1906 formuliert: „Die Vereinfachung und Monumentalisierung, die gibt mir den Begriff der ewigen Ideen.“ Er konnte dies nur, indem er konsequent am konkreten Menschenbild festhielt. Barlach transformierte und abstrahierte, wurde aber nie gegenstandslos. Er ging gewissermaßen den entgegengesetzten Weg wie die Bildhauer der Kamakura-Zeit oder die Meister der Spätgotik, die durch Realitätssteigerung das Göttliche im Individuum fanden, im Ziel waren sie sich jedoch einig. Yukawa hat dies erkannt und mit seinen eindrucksvollen Fotografien dokumentiert. Kobin Yukawa zelebriert mit seiner Kamera eine hohe Form japanischer Ästhetik und folgt damit der jahrhundertealten Tradition seiner Kultur, sogar und erst recht mit seinen Fotografien der Werke des deutschen Expressionisten Ernst Barlach.
Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt der Ernst Barlach Stiftung Güstrow und des Ernst Barlach Hauses – Stiftung Hermann F. Reemtsma Hamburg.
Ausstellung und Katalog wurden maßgeblich gefördert von Volks- und Raiffeisenbank eG, Freunde der Güstrower Barlach-Museen e.V., Provinzial Kiel, The Asahi Shimbun (Tokyo), The Nomura Cultural Foundation (Tokyo). informations in english (klick here)